Bei Bewegungseinschränkungen geht es häufig um mehr als um die reine Fortbewegung. Es geht auch um Selbstständigkeit im Alltag, Teilhabe und Lebensqualität.
Moderne Hilfsmittel gehen über reine Stabilisierung hinaus
Die meisten im Alltag von bewegungseingeschränkten Menschen eingesetzten Hilfsmittel funktionieren, indem sie Belastung reduzieren, Halt geben oder die Fortbewegung erleichtern. Zunehmend werden aber auch andere Methoden entwickelt, bei denen die körperlichen Funktionen durch technische Geräte gezielt beeinflusst werden sollen. Ein Beispiel dafür ist der exopulse mollii suit, bei dem mittels spezieller Jacke und Hose gezielt Elektroimpulse gesetzt werden. Durch diese Impulse sollen bestimmte Muskeln gezielt angesprochen und in ihrer Aktivität beeinflusst werden.
Bewegungseinschränkungen entstehen aus vielen Faktoren
Wenn der Einschränkung der Beweglichkeit eine neurologische Erkrankung zugrunde liegt, spielen häufig mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle. Unter anderem sind die folgenden Aspekte oftmals von Bedeutung:
- Erhöhte Muskelspannung
- schwache Muskelaktivierung
- Schmerzen
- Gleichgewichtsprobleme
- Tremor (unwillkürliches Zittern)
- gestörte Koordination
Angesichts der vielen möglichen Gründe lässt sich nicht pauschal sagen, welches Hilfsmittel oder welcher technische Ansatz am besten geeignet ist. Die gewählte Lösung muss zum individuellen Beschwerdebild passen. Es gilt unter anderem, zu prüfen, welche Funktionseinschränkung den Alltag des Patienten am stärksten beeinflusst.
Wie aus moderner Technik eine passende Versorgung wird
Hohe technische Standards reichen allein nicht aus, denn ein Hilfsmittel muss stets zum Beschwerdebild, zum Alltag des Patienten und zu bereits bestehenden Therapien passen. Nachdem mit den behandelnden Ärzten abgeklärt wurde, welche Hilfsmittel sinnvoll sind, können diese im Sanitätshaus erprobt und bezogen werden. Auch eine weitergehende Beratung ist hier möglich.
Für den exopulse suit kann beispielsweise ein Test mit einstündiger Stimulation sowie einem entsprechenden Vorher-Nachher-Vergleich und einem abschließenden Gespräch erfolgen. So entsteht ein realistischeres Bild davon, ob diese Form der technischen Unterstützung zur jeweiligen Situation und zum individuellen Patienten passt.
Wunder sind auch durch Neuromodulation nicht möglich
Die modernen Möglichkeiten der Neuromodulation haben zwar für viele Patienten erhebliche Verbesserungen gebracht. Wunder lassen sich allerdings auch dadurch nicht bewirken. Ob die Nutzung dieser Methode im Einzelfall sinnvoll ist und wirklich zu mehr Beweglichkeit und weniger Belastung im Alltag führt, zeigt sich erst im Zusammenspiel aus Testung, Anwendung und Alltagserfahrung.

